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Das Wort Burnout dürfte mittlerweile jedem ein Begriff sein. Immer häufiger hört man Menschen mit dem Wort jonglieren und nicht weniger häufig wird Burnout diagnostiziert.

Doch wie sieht es mit dem sogenannten Boreout-Syndrom aus? Was verbirgt sich hinter dem so ähnlich klingenden Begriff? Und vor allem: Was kannst du dagegen tun, wenn du dich in einer nicht enden wollenden Boreout-Spirale befindest?

Boreout vs. Burnout: Familie der Erschöpfungszustände

Ausgebrannt und überfordert: Burnout

Was ein Burnout ist, muss ich vermutlich niemandem erklären. Wer die Diagnose ‚Burnout‘ erhält, gilt gemeinhin als ‚ausgebrannt‚, ‚erschöpft‚ und ‚emotional instabil‚. Angesichts eines zu hohen bzw. nicht zu bewältigenden Arbeitspensums kommt es zu Überforderung und anhaltendem Stress, was häufig zu Versagensängsten und Panikattacken führt. Nicht selten mündet ein Burnout sogar in Depressionen – zumindest dann, wenn eine Depression nicht selbst Auslöser für den Burnout war.

Typische Burnout-Symptome

Die Symptome eines Burnouts sind vielfältig und von Person zu Person unterschiedlich. Als typisch für den Burnout gelten etwa folgende Symptome:

  • Stimmungsschwankungen
  • erhöhte Reizbarkeit
  • (Gefühl der) Überforderung
  • innere Unruhe
  • permanente Müdigkeit
  • Schwäche und Kraftlosigkeit
  • Erschöpfung
  • Antriebslosigkeit
  • Gleichgültigkeit
  • u.v.m.

Allerdings scheiden sich am Burnout – wie an so vielen anderen psychischen Begriffen – die Geister. Während die einen den Burnout als reinen Humbug und unnötige Wortspielerei abtun, sehen die anderen darin die lang herbeigesehnte Definition und Beschreibung eines zuvor nicht begrifflich definierbaren Erschöpfungszustandes – und damit eine Möglichkeit zur Hilfe und Selbsthilfe.

Doch nun kommen wir endlich zum Haupt-Protagonisten des Artikels, zum kleinen Bruder des Burnouts: dem Boreout.

Boreout! Oder: Wenn Unterforderung im Job stresst

Der Boreout kann gewissermaßen als der kleine Bruder des Burnouts bezeichnet werden – allerdings mit nicht weniger verheerenden Folgen! Der Begriff ‚Boreout‘ wurde von den Schweizer Unternehmensberatern Peter Werder und Philippe Rothlin geprägt (siehe z.B. das Buch „Diagnose Boreout: Warum Unterforderung im Job krank macht“*) und leitet sich vom englischen Verb ‚to bore‚ ab, zu Deutsch ‚sich langweilen‚.

Durch diese Herleitung wird bereits deutlich, was sich hinter der Diagnose verbirgt. Wer unter Boreout leidet, wird von Unterforderung und Langeweile im Job geplagt, die ihn unter Umständen richtig krank machen können.

Doch kann ein Boreout wirklich zu ähnlich drastischen Symptomen führen wie sein großer Bruder?

Die Antwort ist eindeutig: OH JA, er kann!

Denn was die einen als entspannend und entlastend empfinden, quält Menschen mit Boreout geradezu unaufhörlich. Zu wenig Herausforderung, zu wenig Anspruch, zu wenig Wertschätzung und zu wenig Auslastung bei zu viel Routine und zu viel freier Zeit am Arbeitsplatz – wer seine Zeit stets sinnvoll nutzen und sein inneres Bedürfnis nach einer erfüllenden Tätigkeit stillen möchte, wird nach nicht allzu langer Zeit daran zerbrechen.

Was sind typische Boreout-Symptome?

Berufliche Unterforderung, Unzufriedenheit im Job und Resignation sind die Folge. Als typische Symptome des Boreouts gelten ähnlich wie beim Burnout folgende Zustände:

  • emotionale und körperliche Erschöpfung
  • Stimmungsschwankungen
  • erhöhte Reizbarkeit
  • (Gefühl der) Unterforderung
  • Antriebslosigkeit, fehlende Motivation
  • permanentes Stressgefühl
  • Gleichgültigkeit
  • andauernde Müdigkeit
  • Schwäche und Kraftlosigkeit
  • u.v.m.

Warum sich Menschen mit wenig Aufgaben gestresst fühlen?

Nun, diese Frage lässt sich ganz leicht beantworten. Aufgrund der geringen Anforderung am Arbeitsplatz und/oder der Anspruchslosigkeit ihrer Tätigkeit beschäftigen sich Menschen, die unter Boreout leiden, häufig mit unzähligen Tätigkeiten, die nicht zu ihrem Aufgabengebiet gehören.

Sobald sie eine ‚echte Aufgabe‘ erledigt haben, verweilen sie beispielsweise unnötig lange auf Social Media-Plattformen, widmen sich der persönlichen Reiseplanung, lesen Blogs und Online-Magazine, nutzen die Zeit zum Online-Shopping und und und … Und das alles mit dem Ziel, bloß kein Zeitloch aufkommen und niemanden merken zu lassen, dass keine Arbeit (mehr) verrichtet wird – aus Angst, als Nichtsnutz dazustehen oder dem eigenen Job das Etikett ‚überflüssig‚ aufzudrücken. Ein solch geschäftiges Treiben kann wahrlich in Stress ausarten und ein permanentes Stressgefühl bewirken.

Ist es dann nicht doch der Stress, der wie beim Burnout die Symptome hervorruft?

Gewissermaßen ja, das ist richtig. Unterforderung und Langeweile im Job lösen inneren Stress und Unruhe aus, was wie beim Burnout wiederum die eben beschriebenen Symptome auslöst.

Hinzu kommt allerdings, dass die ständige Unterforderung und die nicht erfolgende Wertschätzung der eigenen Arbeit ein Gefühl der Sinn- und Nutzlosigkeit schüren – Resignation, Motivations- und Antriebslosigkeit vorprogrammiert.

Wer fortwährend das Gefühl hat, seine Zeit zu vergeuden und seine Arbeitszeit nicht sinnvoll nutzen zu können, wer ständig auf der Suche nach einer anderen (sinnvollen?) Beschäftigung ist, wird seine Position oder gar seine Berechtigung im Job über kurz oder lang infrage stellen. Entspannung und Kraftschöpfen nach der Arbeit ist ihnen kaum noch möglich – zu anstrengend und belastend ist die Situation am Arbeitsplatz.

Durch eine derartige Umstands- und Gefühlsverkettung ist es nicht untypisch, dass die betroffenen Personen krank werden und teils sogar Angstzustände und Depressionen entwickeln.

Selbstversuch: Langeweile im Job

Wie sich soziale Isolation und Langeweile bei der Arbeit auswirken können, zeigt SPIEGEL-TV-Mitarbeiter Stefan Witte in einem Selbstversuch zum Thema ‚Boreout‘. Eine Woche lang bestand seine selbst verordnete Aufgabe ausschließlich darin, der Langeweile zu frönen, um dem Phänomen Boreout auf den Grund zu gehen:

Artikel: Selbstversuch zum Boreout (Spiegel)

Welche Möglichkeiten gibt es, um dem Boreout zu entkommen?

Salopp gesagt, ist der einfachste Weg, um einem Boreout zu entkommen, ihn gar nicht erst entstehen zu lassen. Doch das ist meist leichter gesagt als getan. Nicht immer treten Langeweile und Unterforderung von heute auf morgen auf den Plan, sondern prägen sich in der Regel vielmehr schleichend aus – und wenn sie dann permanent vorherrschen, scheint jeder Ausweg versperrt.

Was also tun?

Der erste wichtige Schritt, um aus dem Unterforderungs-Stress auszubrechen, ist Klarheit. Folgende Fragen können dabei helfen, eine kleine Ist-Analyse zu erstellen:

  • Zu welchem Zeitpunkt trat das Gefühl der dauerhaften Unterforderung und Langeweile ein?
  • Habe ich wirklich zu wenig Aufgaben und Herausforderungen oder delegiere ich zu viel?
  • Ist es ’nur‘ die fehlende Herausforderung oder fühle ich mich grundsätzlich nicht mehr wohl in meinem Job?
  • Sehne ich mich nach etwas ganz anderem bzw. nach wahrer beruflicher Erfüllung?

Im nächsten Schritt steht dann die Frage nach einer geeigneten Lösungsstrategie – natürlich auf Basis der entsprechenden Antworten auf die vorhergehenden Fragen.

Wie also könnte eine Lösung aussehen, um dem beruflichen Stillstand zu entkommen? Folgende Fragen können Aufschluss darüber geben, was zu tun ist:

  • Gibt es im Rahmen meines Jobs eine Möglichkeit, mehr sinnvolle Aufgaben zu übernehmen, ohne gleich eine Überforderung zu provozieren?
  • Wäre eine innerbetriebliche Versetzung oder eine interne Aufgabenerweiterung eine Option, um mehr Pepp in meinen Job zu bringen?
  • Gibt es einen geeigneten Ansprechpartner, dem ich meine Probleme und Wünsche anvertrauen kann, ohne dass mein Standing und mein Job gefährdet werden?
  • Könnte ein Schritt in die Selbstständigkeit mir mehr Spielraum, Flexibilität und Raum zur Entfaltung geben? Und wäre die Selbstständigkeit überhaupt etwas für mich?

Durch diese und ähnliche Überlegungen kristallisiert sich meist schnell heraus, was die eigentliche Wurzel des Übels ist. Und wer diese herausgefunden hat und weiß, warum er gelangweilt und gefrustet im Job ist, kann und sollte schnellstmöglich etwas dagegen tun.

Bedenke jedoch dabei: Bist du grundsätzlich nicht (mehr) zufrieden mit deinem Job oder sehnst dich nach wahrer beruflicher Erfüllung, leidest du vermutlich nicht (nur) unter einem Boreout. Dann ist es für dich möglicherweise einfach an der Zeit, deine sieben Sachen zu packen und dir einen Job zu suchen, der dich wirklich glücklich macht und erfüllt.

Doch hier liegt oftmals der Hase im Pfeffer begraben: Viel zu häufig wagen Menschen keine Veränderung und verharren lieber stillschweigend in ihrem Kummer.

Daher meine Bitte an dich:

Wenn du merkst, dass du unglücklich in deinem Job bist, DANN HANDLE! Es gibt immer einen Ausweg und eine Möglichkeit, dein Leben zu ändern. Niemand zwingt dich, dem täglichen Trott tapfer standzuhalten, wenn er dich unglücklich macht.

Wie geht es dir in deinem Job? Bist du glücklich und happy, gehst gerne jeden Tag zur Arbeit? Schreib es in die Kommentare!

 


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